Velofahren im Winter
Auf zwei Rädern sicher durch den Winter
Velofahren bei Wind, Schnee und Kälte? «Nein danke», sagen sich viele und stellen ihre Drahtesel beim ersten Frost in den Keller. Wer trotzdem Velo fährt, fühlt sich auf der Strasse einsam. Im Winter wird in der Schweiz im Durchschnitt nur gerade ein Drittel so viel Velo gefahren wie im Sommer. Eigentlich schade, denn Velofahren bietet Bewegung an der frischen Luft und härtet ab.
Viele Velofahrerinnen und Velofahrer stellen ihr Velo im Winter ein und nehmen es erst wieder in Betrieb, wenn die Frühlingssonne die Natur wieder zum Leben erweckt. Als wäre es eine Segeljacht oder ein Oldtimer-Motorrad.
Doch richtig ausgerüstet und angezogen ist der Winter gar nicht so kalt und garstig, wie viele meinen. Und wenn man nicht einfach gedankenlos drauflosfährt, sondern sich auf das Wetter einstellt und auch bereit ist, bei besonders schwierigen Strassenverhältnissen einmal auf eine Fahrt zu verzichten, dann kommt man auch auf dem Velo sicher durch den Winter. Ausserdem macht es Spass und ist obendrein noch gesund!
Mit ein paar Ratschlägen lässt sich der Winterzauber auch auf dem Velo erfahren.
Sicher Velofahren im Winter
Richtige Bekleidung
Nicht die niedrigen Temperaturen, sondern vor allem der Fahrtwind führt dazu, dass man beim Velofahren friert. Deshalb muss die Bekleidung vor allem winddicht sein. So wird der Körper von der Kälte abgeschirmt.
Wer keine atmungsaktive Funktionswäsche und eine ebensolche (teure) Hightech-Jacke besitzt, geht nach dem Zwiebelschalenprinzip vor: Unterhemd, Hemd, leichter Pullover, winddichte Jacke ist besser als ein dicker Mantel, durch den es aber zieht.
Nicht zu warm anziehen
Unter der Bekleidung wird es – man bewegt sich ja – schnell warm. Deshalb: Nicht zu warm anziehen!
Am besten zieht man sich so an, dass man beim Losfahren noch leicht fröstelt. Auf längeren Strecken kann man nach Bedarf einzelne Kleidungsstücke wieder ausziehen, denn man sollte nicht zu stark ins Schwitzen kommen, weil man danach stärker auskühlt.
Funktionswäsche transportiert den Schweiss gut nach aussen und sorgt auch bei erhöhter Anstrengung für ein gutes Körper- und Wärmeklima.
Pullover in der Tasche
Wer nach der Velofahrt noch draussen an der Kälte bleibt, lässt den ganz warmen Pullover während der Fahrt besser noch in der Tasche und zieht ihn erst an, wenn das Ziel erreicht ist. Die Kälte kommt, sobald man steht.
Helm und Helmkappe
Das Tragen eines Helms ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben, aber da das Risiko eines Sturzes im Winter viel grösser ist als im Sommer, ist das Tragen eines Helms dingend zu empfehlen.
Der Velohelm ist ausserdem auch ein guter Windschutz.
Für zusätzliche Wärme sorgt eine Helmkappe, welche unter den Helm passt und auch gleich noch die Ohren schützt.
Eine solche Mütze ist die bessere Lösung als ein Stirnband, welches in die Augen rutscht und die Ohren trotzdem nicht recht wärmt.
Füsse schützen
Die Füsse sind auf dem Velo am schwierigsten warm zu halten.
Bei Klickpedalen können die Schuhplättchen zusammen mit dem Pedal eine Kältebrücke bilden und die Wärme aus den Füssen ziehen. Ein guter Winterveloschuh vermindert dies.
Als einfache, warme Variante haben sich ein weicher Wanderschuh mit dicker Sohle und ein grossflächiges BMX-Pedal bewährt. Die Pedale ermöglichen zudem einen schnellen Bodenkontakt
Eine wenig bekannte Garantie für trockene Füsse sind Velogamaschen. Sie werden schnell und einfach über die Schuhe gezogen und halten Nässe (und Dreck) ab. Dadurch bleiben Füsse und Hosenstösse auch bei nasskaltem Wetter und Schneematsch trocken und warm.
Bremstraining
Bevor man sich im Winter das erste Mal auf dem Weg macht, sollte man zur eigenen Sicherheit ein paar Bremsmanöver im eigenen Geschwindigkeitsbereich machen. Auf diese Weise lernt man das Verhalten des eigenen Velos bei rutschigen Strassen kennen und ist dann im "Ernstfall" nicht überrascht.
Es lohnt sich auch, die eine oder andere Acht zu fahren, um sich an die winterlichen Strassenverhältnisse zu gewöhnen.
Diese Übungen sollten jedoch auf keinen Fall auf der Strasse gemacht werden. Suchen Sie sich dazu einen geeigneten Platz, auf welchem kein Verkehr herrscht.
Winterpneus
Für ganz schwierige Verhältnisse mit Schnee und Eis auf der Strasse bieten verschiedene Hersteller Spikes- Pneus an. Der Reifenproduzent Continental hat einen speziellen Winterpneu entwickelt, bei welchem ein hartes, scharfkantiges Granulat in der Gummimischung für besseren Halt auf Eis und Schnee sorgt.
Spikes-Reifen sind wesentlich günstiger als der Ersatz eines durch einen Sturz verbeulten Kotflügels.
Sehen und gesehen werden
Die Strassenverkehrsordnung verlangt eine Dynamobeleuchtung am Velo. Damit soll sichergestellt werden, dass bei einem Batterieausfall Fahrradbeleuchtung weiter funktioniert. Eine Alternative ist ein Narbendynamo. Er ist laufruhig und beim Velofahren nicht so kräftezehrend wie ein Reifendynamo.
Kontrollieren Sie öfter die Lichtanlage auf Ihre Funktionstüchtigkeit.
Prüfen Sie Ihre Lichtanlage öfter auf einwandfreie und zuverlässige Funktion oder lassen Sie sie prüfen. Salzwasser und Schmutz setzen der Lichtanlage stark zu. Führen Sie immer Ersatzbirnen mit für Scheinwerfer und Rücklicht mit.
Wenn Sie konventionelle, von Reibrädern angetriebene Dynamos benutzen, beachten Sie, dass diese bei Fahrten durch Schnee oft gar nicht mehr funktionieren und vermeiden Sie deshalb Fahrten in der Dunkelheit.
Helle, reflektierende Kleidung oder zusätzliche Reflektoren an Bekleidung und Fahrrad erhöhen die Sicherheit in der dunklen Jahreszeit.
Einstellungen am Velo
Bei schwierigen Verhältnissen bringen ein abgesenkter Luftdruck und ein tiefer gestellter Sattel mehr Fahrsicherheit.
Bei Eisglätte erreicht man mit den Füssen so den Boden besser und schneller. Mit geringerem Luftdruck wird die Auflagefläche der Reifen grösser und der Pneu rutscht weniger.
Gepäckbeförderung
Bewährt haben sich wasserdichte Satteltaschen, die Sie in unterschiedlichen Grössen und auch Preislagen im Fachhandel kaufen können. Es gibt gute Klicksysteme, die man spielend einfach vom Gepäckträger lösen kann.
Velopflege
Schon eine einzige Salzwasserfahrt kann zu einer quietschenden, rostigen Kette führen. Daher: Immer schön nachölen. Eine rostige Velokette ist nicht nur störanfällig, sondern kostet auch viel Kraft.
Die Kette zuerst säubern, dann etwas Öl darauf geben und am besten über Nacht einziehen lassen. Das überflüssige Öl anschliessend abwischen.
Das Öl muss primär die Gelenke der Kette schmieren und nichtderen Oberfläche. Dort zieht es nur Dreck und Schmutz an und macht die Kette triefend schwarz.
Als Alternative zum Kettenantrieb gibt es heute andere, weitgehend wartungsfreie Antriebsarten (meist in Kombination mit einer Nabenschaltung), die gerade im Winter viele Vorteile haben (Zahnriemenantrieb, z.B. Velos von simpel; gekapselter Kettenantrieb von Katz Bikes).
Natürlich schätzen auch die anderen beweglichen Teile wie Schaltung, Bremsen und Kabel von Zeit zu Zeit ein Tröpfchen Öl. Und auch hier gilt: Nach dem Ölen das überschüssige Öl abputzen, damit sich dort nicht der Dreck ansammelt.
Service nach dem Winter
Nach überstandenem Winter sollte man einen gründlichen Service machen oder machen lassen. Schaltung und Bremsen wollen nachgestellt werden, und eine Revision der Lager lohnt sich.














