Gefahr Sekundenschlaf
Blindflug - Sekundenschlaf kann tödlich enden
Ferienzeit - Reisezeit. Auf dem Weg zum Ferienziel legen viele Autofahrer lange Strecken zurück. Insbesondere bei langen und monotonen Autobahnfahrten ist der Sekundenschlaf eine grosse Gefahr. Jeder vierte tödliche Verkehrsunfall auf Autobahnen ist auf den Sekundenschlaf zurück zu führen. Besonders gefährdet sind Menschen bei Nachtfahrten zwischen 2 und 5 Uhr morgens.
Unter Sekunden- oder auch Mikroschlaf versteht man eine Müdigkeitsattacke, die zu spontanem Wegnicken führt. Dabei müssen nicht unbedingt die Augen zufallen. Es gibt auch Situationen, in denen der Sekundenschlaf mit offenen Augen eintritt, zum Beispiel in bequemen Positionen mit monotoner Arbeit und monotonen Bildreizen kann das Gehirn die Leistung zurückfahren.
Dies ist in seltenen Ausnahmefällen auch in körperlich ausgeruhtem Zustand möglich. Generell gilt aber, dass Sekundenschlaf durch Müdigkeit bzw. Schlafstörungen ausgelöst werden. Besonders anfällig ist man bei monotonen Arbeiten und bei langen Autofahrten.
Ursachen für den Sekundenschlaf
Man nimmt an, dass Sekundenschlaf eine spontane Notwehrreaktion des Körpers auf starke Übermüdung ist, vor allem, wenn sich diese mit längeren, monotonen Tätigkeiten verbindet. Besonders häufig kommt es zu Sekundenschlaf:
- Nachts und in den frühen Morgenstunden: Zu dieser Zeit haben die meisten Menschen ihr Aktivitätsminimum.
- Nach langen Wachzeiten: Je länger man wach ist, desto mehr nimmt der Schlafdruck zu.
- Durch zu geringe Schlafdauer: Wer über ein paar Tage oder Wochen hinweg regelmässig zu wenig schläft, häuft ein Schlafdefizit an.
- Durch Erkrankungen: Im Rahmen von Schlafstörungen oder Erkrankungen wie der Schlafapnoe, bei der es nachts zu Atemaussetzern kommt, kann Sekundenschlaf auftreten.
Nach sehr langen Arbeitszeiten: Wer häufig sehr lange arbeiten muss, hat ein erhöhtes Risiko, bei der Arbeit oder bei einer späteren Autofahrt in Sekundenschlaf zu fallen.
Müdigkeit wirkt sich folgendermassen aus: Zuerst nimmt das Sehvermögen ab, Informationen werden fehlerhaft aufgenommen, die Aufmerksamkeit lässt nach, die Reaktionszeiten werden länger, man wird zunehmend gleichgültig und die Risikobereitschaft und Reizbarkeit nehmen zu.
Risikogruppen
Manche Menschen haben ein erhöhtes Risiko, während des Autofahrens in Sekundenschlaf zu fallen. Sie zählen zu den Risikogruppen:
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Pendler und LKW-Fahrer: Sie haben ein erhöhtes Risiko für Sekundenschlaf, da die Fahrtstrecken oft lang, gerade und eintönig sind. Da LKW-Fahrer zudem häufig unter einem enormen Termindruck stehen, werden nicht immer ausreichend Pausen eingelegt und der Tag-Nacht-Rhythmus nicht unbedingt berücksichtigt. Zudem ist das Fahren mit modernen LKWs dank verbesserter Technik noch eintöniger geworden, als noch vor ein paar Jahren war.
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Menschen mit langen Arbeitszeiten: Insbesondere, wenn die Arbeitszeiten dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus zuwiderlaufen (z.B. bei Schichtarbeit), kämpfen viele gegen den Schlafdrang an.
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Junge Erwachsene: Nach durchmachter Nacht in den frühen Morgenstunden (z. B. nach einem Discobesuch)
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Urlauber auf dem Weg in weit entfernte Urlaubsziele: Auf dem Weg in die Ferien ignorieren viele Menschen die zunehmende Müdigkeit auf Autofahrten und machen zu wenig Pausen oder starten nachts mit der Autofahrt, um Staus zu entgehen.
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Menschen mit verstärkter Schläfrigkeit infolge von Erkrankungen, wie z.B. Schlafstörungen, Schlafapnoe, Narkolepsie
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Vorzeichen für Sekundenschlaf
Der Sekundenschlaf tritt nur bei starker Ermüdung auf. Ein unvorhersehbares Einschlafen am Steuer ohne vorangehende deutliche Ermüdungssymptome gibt es nur unter aussergewöhnlichen und krankhaften Bedingungen.
Ob und wann der Sekundenschlaf auftritt, ist jedoch nicht vorhersagbar. Er kündigt sich auch nicht vorher an, sondern tritt ohne jegliche Vorwarnung abrupt auf.
Jeder Autofahrer erkennt in der Regel seinen Ermüdungszustand sehr verlässlich. Wer Auto fährt, muss deshalb auf die typischen Ermüdungssymptome achten und bei deren Auftreten die Fahrt unterbrechen.
Wer trotzdem weiter fährt, in der Hoffnung, er werde weiterhin wach bleiben, verstösst gegen elementare Sorgfaltspflichten und wird entsprechend zur Rechenschaft gezogen.
Typische Anzeichen einer Übermüdung sind etwa:
- Schwere Augenlider, erhöhter Lidschlag
- Augenreiben, Augenbrennen
- Trockener Mund
- Aufschrecken
- Häufiges Schalten, mehr Lenkbewegungen
- Fahrfehler, wie schlechtes Spurhalten, abruptes Bremsen, unregelmässige Geschwindigkeit oder Verschalten
- Halluzinationen, optische Täuschungen
- Gesichtsfeldeinschränkungen (sog. Tunnelblick)
- Gereiztheit, Verbissenheit, evtl. aggressive Fahrweise
- häufiges Gähnen
- Kopfschmerzen
- Frösteln
Bei diesen Symptomen, die auch einem möglichen Beifahrer auffallen müssten, sollte man so rasch wie möglich eine Pause einlegen und sich bewegen, zum Beispiel bei einem Spaziergang. Noch besser ist natürlich eine Runde Schlaf.
Massnahmen gegen den Sekundenschlaf
Gegen Sekundenschlaf gibt es eigentlich nur eine wirksame Massnahme, nämlich sich ausgeruht und gesund ins Auto zu setzen und bei langen Fahrten regelmässig Pausen zu machen.
Die erste Pause sollte nach spätestens zwei Stunden, die weiteren früher erfolgen. Auf eine Fahrtzeit von 5 Stunden sind zweimal 20 oder dreimal 15 Minuten Pause optimal. Bewegung und frische Luft vertreiben die Müdigkeit und Monotonie. Als besonders effektiv hat sich bei Tests in Schlaflaboren ein Nickerchen, mit einer Tiefschlafphase, über einen kurzen Zeitraum von 15 bis 30 Minuten herausgestellt.
Wer krank ist, sollte nicht Auto fahren! Das angegriffene Immunsystem regeneriert sich nur im Ruhezustand und treibt uns förmlich in den Schlaf.
Nach einer Party am Abend übernachtet man am besten beim Gastgeber oder fährt mit dem Taxi oder mit dem öffentlichen Verkehr nach Hause.
Weitere vorbeugende Massnahmen:
- Vermeidung von Nachtfahrten: In der Zeit zwischen 2 und 5 Uhr morgens befindet sich der Körper normalerweise im Tiefschlaf und somit in einem Leistungstief.
- Kein schweres Essen vor Antritt einer längeren Fahrt: Die Energie, die Ihr Körper für die Verdauung braucht, fehlt ihm bei der Konzentration. Stattdessen sollten Sie zuckerhaltige Snacks wie Obst, Schokolade oder Müesliriegel dabei haben. Trinken Sie Obstsäfte oder Wasser.
- Nebenwirkungen von Medikamenten beachten: Wenn Sie Medikamente nehmen, überprüfen Sie die Packungsbeilage auf mögliche Nebenwirkungen, welche die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen könnten!
- Kurzfristig Kaffee oder andere koffeinhaltige Getränke: Tests haben gezeigt, dass lediglich der Kaffee zu einer kurzfristigen Verbesserung führten; Energydrinks schlugen überhaupt nicht an.
- Lüften des Autos: Verbrauchte Kuft und zu hoher Kohlendioxidgehalt verstärken die Müdigkeit. Auch kann kalte Luft den Kopf klar machen.
- Verzicht aufs Rauchen während der Fahrt.
Was nicht wirkt, ist das Lauterdrehen von Musik. Die Aufmerksamkeit wird hier noch stärker vom eigentlichen Strassengeschehen abgelenkt. Gleiches gilt für Gespräche mit dem Beifahrer. Schon unter normalen Umständen führen Unterhaltungen mit Beifahrern zu erhöhten Unfallgefahr, warum sollte dieses dann bei Müdigkeit wirken?
Wenn Sie ständig müde sind und eigentlich ausreichend Schlaf bekommen sollten, da Sie lange genug schlafen, dann kann eine Schlafstörung ursächlich sein. Zunächst sollten Sie Ihre Schlafgewohnheiten beobachten und gegebenenfalls ändern. Wenn dies keine Wirkung zeigt, dann ist eine Untersuchung vom Facharzt nötig. Die Schlafapnoe ist in der Regel behandelbar und kann als Ursache für Sekundenschlaf ausgeschaltet werden.
Rechtliche Konsequenzen
Das Bundesgericht stuft den Sekundenschlaf als schwere Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz ein (BGE 126 II 206).
Es gehöre zu den elementarsten und wichtigsten Pflichten des Lenkers, aktiv dafür zu sorgen, dass er wach bleibe, solange er sich im Verkehr bewege. Sekundenschlaf sei deshalb besonders gefährlich, da derjenige, der während der Fahrt einschlafe, offensichtlich überhaupt keine Möglichkeit mehr habe, auf das Geschehen einzuwirken.
Wer gesund und nicht aus andern Gründen fahrunfähig sei, schlafe am Steuer nicht ein, ohne vorher deutliche Anzeichen von Müdigkeit verspürt zu haben. Das Verschulden eines Fahrzeugführers, der am Steuer einschlafe, sei daher in aller Regel als schwer zu bezeichnen.
Wer also wegen eines Sekundenschlafs einen Unfall verursacht, muss mit einer harten Strafe und einem Regress der Haftpflichtversicherung rechnen. Zudem wird der Führerausweis für mindestens 3 Monate entzogen.
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Technische Hilfsmittel
Verschiedene Automobilhersteller haben Aufmerksamkeits-Assistenten entwickelt, die übermüdete Fahrer frühzeitig vor Sekundenschlaf warnen. Zwei unterschiedliche Systeme sind heute bereits auf dem Markt:
Bei einem System wird der Grad der Aufmerksamkeit anhand der Augenbewegungen der Anzahl Lidschläge gemessen. Eine im Auto integrierte Kamera fokussiert die Augen des Fahrers und folgt dann automatisch dessen Kopfbewegungen. Durch die Frequenz und Geschwindigkeit der Lidschläge sowie dem Öffnungsgrad der Augenlider erkennt das System den Grad der Wachsamkeit oder Müdigkeit des Fahrers. Je müder man wird, desto mehr Lidschläge macht man und desto langsamer werden sie. Gleichzeitig verkleinert sich zunehmend der Öffnungsgrad der Augen.
Ein anderes System erkennt den Grad der Müdigkeit auf Grund des Lenkverhaltens: Geschwindigkeit, Längs- und Querbeschleunigung, Lenkradbewegungen, Blinker- und Pedalbetätigungen sowie bestimmte Bedienhandlungen werden gemessen und laufend mit dem zuvor abgespeicherten individuellen Verhaltensmuster verglichen. So kann das System typische Indikatoren für Übermüdung erkennen und den Autofahrer warnen.
Fernsehbeitrag zu Thema Sekundenschlaf













