Toyota Prius: Dauertest über 90'000 Kilometer

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Doppel-Herzen im Alltagsstress

Ob die Hybrid-Technik mit Elektro- und Verbrennungsmotor auch im Alltag funktioniert, zeigt der Fahrbericht zum ADAC-90.000 Kilometer Dauertest des Toyota Prius.  Der Toyota-Dauertest beweist: Die Hybridtechnik überzeugt auch im Alltag – allen Gerüchten zum Trotz.
Toyota Prius
Der Toyota Prius überzeugt auch im Dauertest.

Hat die Fahrzeugindustrie den Trend zum zukunftsträchtigen Hybridantrieb verschlafen? Klare Antwort: ja. Die Behauptung, man hätte von nichts gewusst, zählt nicht:

Schon im Februar 2000 veröffentlichte die ADAC Motorwelt einen ausführlichen Fahrbericht über die rechtsgelenkte Japan-Version des Toyota Prius. Und als Toyota den weltweit ersten serienmässigen PKW mit Hybridantrieb dann auch in Deutschland verkaufte, reagierten viele dieselorientierte Fahrzeughersteller ähnlich wie bei der »überraschenden« Einführung des Partikelfiters – mit subtilem Kratzen und Beissen. Hinter vorgehaltener Hand wurden branchenintern Gerüchte gestreut, die das innovative Modell in Misskredit bringen sollten: Den Batterien würde schon nach wenigen tausend Kilometern beim Fahren der Saft ausgehen, bei kalten Temperaturen ginge sowieso gar nichts und insgesamt wäre die Technik noch viel zu störungsanfällig und im Unterhalt zu teuer.


ADAC-Dauertest über 90.000 Kilometer

Toyota liess sich nicht beirren und führte Mitte letzten Jahres schon die zweite Generation des Prius in Europa ein. Weltweit war die Erstauflage bis dahin mit 120.000 verkauften Fahrzeugen in sechs Jahren ein echtes Erfolgsmodell – dank grosszügiger Steuervorteile und einer kollektiven Abneigung gegen Dieselmotoren vor allem in Japan und den USA.

Doch warum hat der Prius bei uns immer noch das Image eines japanischen Sonderlings? Zeigen die gezielt gestreuten Gerüchte Wirkung oder kann er den Ansprüchen der europäischen Autofahrer tatsächlich nicht genügen? Der ADAC wollte es genau wissen und startete mit dem Toyota Prius vor zehn Monaten einen intensiven Dauertest – nach 90.000 gefahrenen Kilometern gibt es jetzt eine Bilanz.


So funktioniert der Hybrid-Antrieb

Hybridmotor
In einem Hybridantrieb sind zwei Motoran am Werk.

Der Clou der Hybridtechnik sind die zwei Motoren unter der Haube: Im Stop-and-Go-Verkehr und beim Anfahren treibt normalerweise ein Elektromotor mit 50 kW (68 PS) die Vorderräder an. Wird mehr Leistung verlangt, startet der 1,5-Liter-Benzinmotor und schaltet sich mit 57 kW (78 PS) automatisch zu – ein Vorgang, der so sanft abläuft, dass der Fahrer davon gar nichts bemerkt. Nebenbei lädt der Benziner dann die Batterie für den E-Motor, die ihren Saft aber auch durch eine Rückführung der Energie beim Bremsen oder beim Rollen gewinnt.

Sobald das Fahrzeug zum Stehen kommt, schaltet der Benzinmotor sofort wieder ab: Spritverbrauch null – und eine himmlische Ruhe als angenehmer Nebeneffekt. Völlig lautlos und entspannt kann man auch im städtischen Kriechverkehr mitschwimmen, wenn vorher der EV-Schalter links vor dem Lenkrad gedrückt wurde. Der Prius schaltet so auf den reinen Elektrobetrieb um, der aber spätestens nach zwei Kilometern wieder beendet wird, um die Batterie zu schonen.


Hybrid in der Praxis

Der Fahrer bekommt vom sehr komplexen Wechselspiel der Hybridelemente nichts mit und kann so ungestört die Vorzüge des Toyota Prius geniessen. Zum Beispiel den enormen Abzug: Satte 478 Newtonmeter (Nm) liegen durch die spezielle Charakteristik des Elektromotors als Drehmoment-Maximum an – Porsche-Niveau. Den Spurt von Null auf 100 km/h erledigt der immerhin 1340 Kilo schwere Prius in lediglich 10,9 Sekunden. Trotz seines hohen Gewichts durchfährt der Prius auch enge Kurven erstaunlich agil – hier hilft beim Rausbeschleunigen das stufenlose Getriebe, das sich problemlos wie eine Automatik fährt und beide Motoren stets am richtigen Drehzahlband hält. Die Geräuschkulisse ist dabei stets kultiviert und angenehm.


Tücken bei der Bedienung

Um 90.000 Kilometer in zehn Monaten abzuspulen, musste der hervorragend ausgestattete Prius (in der Executive-Version für 25.400 €) häufig bewegt werden – was viele Kollegen für Dienstreisen fleissig nutzten. Fast alle waren vom hohen Fahrkomfort mit den gut konturierten Sitzen und der leichtgängigen Lenkung beeindruckt, kämpften aber mit einigen Tücken, die der Prius aufgrund seiner Besonderheit für Neulinge bereithielt. Vor allem der erste Startvorgang machte Probleme: Man muss auf die Bremse treten und den Startknopf drücken. Dann leuchten zwar viele Lämpchen, aber auf das vertraute Motorgeräusch wartet man vergeblich. Erst wenn die kleine Anzeige »Ready« im Cockpit erscheint, kann es losgehen – und zwar lautlos, weil elektrisch.

Das schafft beim Rangieren oft das nächste Problem: Passanten hören den Prius nicht – die Frau eines Mitarbeiters konnte sich nur durch einen beherzten Sprung vor der schmerzhaften Berührung mit der hinteren Stossstange retten. Ebenfalls knifflig: die richtige Einstellung des Getriebes und der Zündung beim Befahren einer Waschanlage. Probleme mit der prognostizierten Kälteempfindlichkeit der Hybrid-Batterien traten trotz hartem Winter übrigens niemals auf.

 

Prius_Verbrauch_Diagramm
Bei den Verbrauchs- und Schadstoffwerten schwingt der Hybridantrieb obenaus.

Verbrauch und Schadstoffe

Bleibt der wichtigste Grund für die Entwicklung eines Hybridantriebs: das Spritsparpotenzial. Schon beim ADAC EcoTest schnitt der Prius beim Abgastest unter allen Benzinern und Dieseln punkto Schadstoffen ganz klar als Bester ab und verfehlte die 5-Sterne-Höchstwertung nur knapp. Die Kontrollmessungen bei 13.000, 62.000 und 90.000 Kilometern Laufleistung haben jetzt bewiesen, dass der Toyota dieses hohe Niveau ohne Verschlechterung hält.

Auch beim Verbrauch – gemessen nach der EcoTest-Methode – schlägt der Prius klar die vergleichbaren Konkurrenten seiner Fahrzeugklasse vom Audi A3 über den Opel Astra bis zum VW Golf. Vor allem im Stadtverkehr spielt der Prius seine Stärke aus: Mit vier Litern braucht er weniger als die Hälfte von vergleichbaren Benzinern (8,9 l/100 km) und liegt noch unter den Dieselfahrzeugen (6,6 l/100 km). Überland und auf der Autobahn bleibt der Prius den Benzinern überlegen, muss sich aber knapp den Dieseln geschlagen geben. Allerdings: Da bei der Verbrennung von Diesel mehr CO2 ausgestossen wird, ist auch auf der Autobahn die CO2-Bilanz des Prius um drei Prozent besser.

Der EcoTest-Verbrauchsdurchschnitt überzeugt ohne Einschränkungen: Toyota Prius 5,2 l/100km, Diesel 5,6 l/100 km, Benziner 7,2 l/100 km. Und selbst wenn man alle Kosten vom Wertverlust über die Versicherung bis zu den Werkstattkosten zusammenrechnet, kostet der Basis-Prius mit 458 € im Monat gegenüber den Benzinern und Dieseln noch vierzehn bzw. acht Prozent weniger.

Apropos Kosten: Unser Dauertest-Prius verbrauchte über die gesamten 90.000 km im Schnitt 6,2 l/100 km – allerdings bei einem extremen Autobahnanteil von 70 Prozent zu sieben Prozent innerorts. Für viele Autofahrer dürfte die Relation wohl umgekehrt sein.


Gesamturteil

Der Toyota-Dauertest beweist: Die Hybridtechnik überzeugt auch im Alltag – allen Gerüchten zum Trotz. Bleibt zu hoffen, dass den europäischen Konkurrenten für Zukunftslösungen wie Brennstoffzelle oder Wasserstoff etwas mehr einfällt – und das diesmal rechtzeitig.

Quelle: ADAC

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Kommentare 

 
0 # Claude Sieber 2011-12-14 13:40
Ich erlaube mir eine Bemerkung zu den immer wieder gehörten Lautlosigkeit-Nachteilen:



1) Der Fahrer hat beim Rückwärtsfahren die Verantwortung nicht die Passanten. Offenbar schaut der Testfahrer nicht zurück !

2) Z.B. ein 7er BMW (A8, o.ä.) wird beim Rückwärts-Rollen im Standgas auch keine hörbaren Motorengeräusch e von sich geben - nur ist das dort nie ein Problem.

Und dann gibt's noch die Mär, dass die Blinden ein Problem mit der Lautlosigkeit am Fussgängerstrei fen haben - ein Auto das mit 50 km/h tieftourig rollt, macht Geräusche über die Reifen und nicht den Motor - so auch der Prius. Man hört ihn, keine Angst ...

Alles andere sind "Argumente" aus der nicht Hybrid-Ecke der Autolobbies.
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