Raserinitiative ist der falsche Ansatz
Samstag, 01. Mai 2010
«Drastische Strafen für Raser führen nicht zu weniger Unfällen»
Der Ruf nach härteren Strafen für Raser nicht unumstritten. Dezidiert dagegen äussert sich der Verkehrspsychologe Andreas Widmer. Hohe Bussen und härtere Gefängnisstrafen würden Verkehrsrowdys kaum abschrecken. Emotionen würden jugendliche Raser erst zeigen, wenn ihr geliebtes Auto eingezogen und verschrottet würde.
Das Volksbegehren gegen Raser habe den falschen Ansatz, sagt der Verkehrspsychologe Andreas Widmer. Statt härteren Strafen seien mehr Polizeikontrollen nötig.
Und: Die Raser müssten sofort nach der Tat bestraft werden.
Die Initiative «Schutz vor Rasern», die gestern lanciert wurde, will Temposünder härter bestrafen. Ist das der richtige Weg?
Andreas Widmer: Ich kann mir nicht vorstellen, dass drastische Strafen die Zahl der Unfälle reduzieren. Höchstens kurzfristig. Studien zeigen, dass höhere Sanktionen das Verhalten der Leute nur sechs bis neun Monate lang beeinflussen.
Wieso lassen sich Gesetzesübertreter so schwer beeindrucken?
Wenn jeder Raser tatsächlich erwischt würde, könnten schärfere Gesetze helfen. Doch die Entdeckungsrate ist gering. Deshalb bleibt die Androhung virtuell – die allermeisten Leute betrifft sie nicht persönlich.
Was wäre denn ein wirksames Vorgehen gegen Raser?
Es bräuchte mehr Kontrollen – aber dies würde natürlich mehr Polizisten voraussetzen. Die Raser, die erwischt werden, sollten auch sofort eine Konsequenz spüren.
Ideal wäre, wenn sie innerhalb einer Woche ihren Ausweis abgeben müssten. Heute dauert es oft viel zu lange, bis die Raser nicht mehr fahren dürfen. In der Zwischenzeit bauen sie weitere Unfälle.
Aber wie wird danach aus einem Temposünder ein vernünftiger Verkehrsteilnehmer?
Eine Strafe allein bewirkt keine Verhaltensänderung. Ich halte Nachschulungen, Kurse und Einzeltherapien für sinnvoll. Die meisten Raser sind sich gar nicht bewusst, was sie machen. In einer Therapie geht es darum, dass sie merken, wie sehr sie sich und andere gefährden.
Viele haben genau auf solche Typen eine riesige Wut. Da gibt es Beispiele von jungen Männern, die sich anonym sogar mit ihren «Heldentaten» brüsten.
Höchstens zwei bis drei Prozent der Raser haben eine solche Persönlichkeitsstörung. 90 Prozent von ihnen kann man gut therapieren.
Das müssen Sie als Therapeut natürlich sagen.
Ich muss gar nichts sagen und bin zum Glück niemandem verpflichtet. Ich halte mich an die wissenschaftlichen Erkenntnisse, und die zeigen eine beeindruckende Wirksamkeit von Schulungen und Verkehrstherapien.
Wieso rasen Leute überhaupt?
Es ist ein Jugendphänomen. Junge Männer wollen zeigen, dass sie potent sind. Sie geben an und versuchen, in der Hackordnung möglichst weit oben zu stehen. Wie jemand im Sport eine Herausforderung sucht, so suchen sie diese beim Rasen.
Oft handelt es sich um junge Männer aus dem Balkan. Ist das Rasen ein Ausländerproblem?
Es stimmt, dass prozentual viele Raser Wurzeln haben in Mazedonien, der Türkei, Kroatien und Serbien. Aber die meisten sind hier in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Wir würden sie im Alltag nicht als Ausländer wahrnehmen.
Dennoch ist ihre Mentalität offensichtlich eine andere.
Ja, sie haben andere Werte. Das Auto bedeutet für sie dasselbe wie für uns 14-Jährige früher das Töffli.
Weshalb?
Das Auto ist in ihrem Kulturraum viel bedeutender. Auch Macho-Denken ist verbreitet. Sie dürfen dabei aber nicht vergessen, dass ich in meinen Kursen und Therapien auch immer wieder Schweizer betreue. Wenn man das Raserproblem allein als Ausländerproblem begreift, kann man es nicht lösen. Es ist ein Jugendproblem.
Gibt es denn keine älteren Raser?
Nur selten. Entweder handelt es sich dann um Personen, die beruflich sehr erfolgreich sind und nach dem Prinzip leben «Zeit ist Geld». Oder dann sind es Leute, die nie gelernt haben, sich an Regeln zu halten.
Wie sieht es aus mit Raserinnen?
Es gibt fast keine. Aber ich habe auch schon mehrmals Raserinnen therapiert.
Wäre es nicht am sinnvollsten, im Vorhinein zu verhindern, dass gefährliche Verkehrsteilnehmer einen Führerschein erhalten?
Das jetzige System mit dem Führerschein auf Probe ist gar nicht so schlecht. Wer das erste Mal erwischt wird, der gerät sofort in ein Schulungssystem. Die Unfallzahlen haben seit der Einführung 2006 abgenommen.
Die Initiative ist überflüssig?
Im Prinzip finde ich die Initiative gut. Aber es gibt bessere Massnahmen, um Unfälle zu verhindern. Ein Fehler der Initiative ist auch, dass sie viele Risikogruppen auslässt. So sagt sie nichts zu Alkoholisierten, die am Steuer sitzen. Genau so schlimm wie Raser sind zudem Verkehrsteilnehmer, die links um den Kreisel herumfahren oder nur einen Abstand von zwei Metern zum vorderen Fahrzeug einhalten.
Interview: Mirjam Comtesse
Quelle: Tagesanzeiger-Online








Interview mit Andreas Widmer in der Touring-Zeitung 05/2009





Kommentare
Errichten von Schnellfahranla gen z.B. Anneau du rhin oder Hockenheim
Entsprechende Verkehrssicherh eitszentren bauen mit jährlicher Wiederholungsku rsen
Präventiver Einbau von Blackbox der die die Geschwindigkeit via GPS kontrolliert und entsprechend Geschwindigkeit drosselt
Elektronische Steuerung der Geschwindigkeit mittels elektronischer Verkehrskontrol lschilder die Signal senden zur Geschwindigkeit sdrosselung und GPS
Diese Massnahmen grenzen Leute nicht aus und kriminalisieren nicht, Staatskassen bleiben leer und Profilierungsne urotiker der Road Cross braucht es nicht
Konkrete Massnahmen und Prävention verhindern Delikte. Eine Mutter setzt Ihr Kind nicht an den Strassenrand mit der Auflage nicht auf die Strasse zu gehen. Sie ermöglicht erst gar nicht das Vergehen.
Unrecht wir nicht mit Unrecht wieder gut gemacht.
Strafe schütz nicht vor verbotenen Handlungen.
Sprechen Sie einmal mit den Angehörigen von Verkehrsopfern. Wer rast ohne Rücksicht auf andere ist ein gewöhnlicher Krimineller Punkt.Da können uns die Verkehrspsychol ogen noch so viel erzählen.
Offenbar sollen diese Leute immer noch geschützt werden. Wer sich an die Gesetzesnormen hält braucht nichts zu befürchten.
Nach der gleichen Logik können wir uns das ganze Strafgesetzbuch ersparen. Denn dieses verhindert ja auch keinen Mord.
Da kann man wirklich nur den Kopf schütteln.